Counter-Strike – von der Mod zum Medienspektakel

„Bomb has been planted“ Jetzt muss es schnell gehen. Wir hatten kein Geld für ein Defuse-Kit, so müssen wir also mehr Zeit zum Entschärfen der Bombe einplanen. Das macht die Sache noch gefährlicher, denn beim Code-Knacken sind wir ein leichtes Ziel für die Terroristen. Glück gehabt, der zuerst angesteuerte Bombspot war der richtige, denn das Ticken der Bombe wird lauter. Wo ist das rote Blinken der Bombe? Das Ticken wird schneller. Da ist sie! Jetzt schnell ran. „Bomb has been defused“ Na Gott sei dank!

Solche Szenen spielen sich täglich zu Tausenden auf den Servern ab. Counter-Strike fing 1999 als Mod für Half-Life von Valve an und gehört nun zu den beliebtesten Multiplayer-Shootern, der sich inkl. Counter-Strike Condition Zero und Counter-Strike Source 11,1 Millionen Mal verkauft hat. Die Bombe in Counter-Strike tickt folglich seit nunmehr fast acht Jahren.

In dieser Zeit hat sich einiges getan, weit mehr als der Grafiksprung von einer 800x600er Auflösung auf das „Half-Life 2“ Grafikgerüst, die Source Engine. Counter-Strike entwickelte sich zu einem Multiplayer-Liebling und fest integriertem eSport-Titel, bis hin zum Medienspektakel. Anlass dafür war der Amoklauf in Erfurt am 26. April 2002. Die Polizei fand in der Wohnung des Amokschützen unter anderem das Spiel Counter-Strike. So schlitterte es nach und nach in die ungewollte Rolle des Vorzeige „Killerspiel“. Immer wieder wurden Counter-Strike abstruse Inhalte angedichtet und der angebliche hohe Gewaltgrad hervorgehoben. Nichtsdestotrotz erfreut sich Counter-Strike einer hohen Beliebtheit, denn Counter-Strike bietet mehr als Waffen.

Für viele scheint es, als ginge es ums bloße Ballern und Töten. Es reicht, den Feind mit dem Fadenkreuz anzuvisieren und die Maustaste zu drücken. Doch in vielen Fällen, vor allem bei ungeübten Spielern, geschieht gar nichts. Jedenfalls nicht das Erwünschte. Oft beißt man selbst ins virtuelle Gras und nicht der Gegner. Counter-Strike verlangt eine gewisse Erfahrung vom Spieler. Die Begeisterung entspringt unter anderem der Wettkampfatmosphäre, es ist ein Messen der Erfahrung und Reflexe. Doch das wird leider viel zu oft ausgeblendet oder nicht erkannt. Für Politiker ist ein Spiel mit Waffen ein Killerspiel, Punktum.

Würde man sich die Mühe machen und einmal hinter die Fassade schauen, könnte man ein Spielgerüst erkennen, das nicht auf Tod und Wut beruht, sondern auf Teamgeist und darüber hinaus die Hand-Augen-Koordination und die Reflexe schult. Vielleicht würde es dann der bayrische Innenminister unterlassen, Computerspiele und Kinderpornographie auf eine Stufe stellen.

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Datum: Freitag, 17. April 2009 9:48
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